Blogparade Stadtgefühle

Die liebe Lina, die ich heute erst entdeckt habe, hatte ein ganz bezaubernde Idee:
Sie rief zu der "Blogparade "Stadtgefühle" auf. Hier soll aus um unsere Heimatstadt, eine Stadt die uns besonders beeindruckt hat oder um unsere Lieblingsstadt gehen. Und da ich während meinem Jahr in Australien ja so einige kennengelernt habe, dacht ich mir, da muss ich mitmachen!!

Und natürlich geht es, wie sollte es anders sein, um meine zweite Heimatstadt Canberra.


In dieser Stadt lebte ich für sechs Monate, ohne meine deutschen Freunde, Mama oder Papa. Eben ganz alleine. Und doch nicht. Binnen Tagen hatte ich ein enges Verhältnis zu meiner Gastfamilie gesponnen, die ich liebevolle meine "zweite Familie" nenne. Und nach ein paar Wochen hatte ich schon meinen eigenen, neuen und vor allem internationalen Freundeskreis. 

Hier habe ich gelernt, auf eigenen Beinen zu stehen. Ich meine, so richtig auf eigenen Beinen. Das ist schon Grund allein, warum mir diese Stadt so ans Herz gewachsen ist.



Doch auch wenn die Hauptstadt Australiens, die übrigens nicht am Meer liegt, auch wenn es auf der Landkarte auf den ersten Blick so aussieht, von vielen Aussies gehasst hat, ich liebe sie. Vielleicht auch gerade weil sie nicht so heiß begehrt ist.

Ein verstoßenes Kind braucht eben eine extra Portion Liebe. 


Außerdem ist Canberra auch wunderschön. Überall gibt es Parks, riesengroße Kreisverkehre und hervorstehende Gebäude. Und das ganz besondere Heimat: Canberra ist die einzige Großstadt, wo Kängurus wild leben und auf den Straßen mal eben anzutreffen sind. So war ich zum Beispiel im Frühling einmal joggen und als ich irgendwann mal von meinen Füßen aufgucke, steht da nicht mal 5 Meter entfernt ein ausgewachsenes Känguruweibchen. Freude pur. So etwas gibt es nur hier!

Jeden Frühling findet hier auch das größte Blumen - Festival der südlichen Hemisphäre statt. Es ist ein atemberaubendes Festspiel aus bunter Blumenwiese, streng geplanten Beeten und Rummel samt Riesenrad. Was will man mehr? Über den Tag verteilt treten auch viele Künstler und Sänger auf und für ein paar Tage ist das Blumen - Spektakel sogar nachts offen.






Aber meinen Lieblings - Canberra - Moment hatte ich erst vor gut drei Wochen (Ist es möglich, dass ich vor drei Wochen noch am andren Ende der Welt wahr? - Unfassbar!) nach vier Monaten Reisen wieder gekommen bin. My home away from home.
Als der Bus einfuhr sah ich schon all die bunten Vögel, die ich in keiner anderen Stadt gesehen habe, weil es dort einfach so laut und dreckig war. Es war wie ein Willkommensruf - so magisch. Und dann schlenderte ich durch meine Lieblingsshops, ging zu meinen Lieblingscafés und spazierte durch Parks. Ich fühlte mich zu Hause. Hier kannte ich mich aus und hier fühlte ich mich wohl.
Als dann ein alter Mann mich nach dem Weg fragte und ich ohne zu zögern antworten konnte, war das Gefühl komplett. Am Nachmittag verabschiedete ich mich noch von meinem Stammcafé und "mein" Kellner konnte gar nicht fassen, dass ich am nächsten Tag im Flieger zurück nach Deutschland sitzen würde.

Zum Abschluss kann ich nur eines sagen:

Canberra war mein Wohnort auf Zeit, doch eine Heimatstadt für's Leben.

Liebster Award

Erstmal muss ich ja mal ganz groß entschuldigen. Oder mich besser gesagt in einer Ecke verstecken. Ich wollte eigentlich gar nicht so eine lange Pause einlegen, aber irgendwie ist dann zurück in Deutschland immer was los gewesen und ja ... da hatte ich irgendwie keine Zeit.

Doch jetzt krempel ich wieder die Arme hoch und los geht's!!

Einen wunderbaren Einstieg hat mir da die liebe Sandy gegeben. Sie hat mich für den Liebster Award nominiert und so werde ich jetzt mal ihre Fragen beantworten.

1. Wie lange bloggst du schon ? 

Seit ca 1 Jahr

2. Welche Person ist für dich die wichtigste Person in deinem Leben ?

Puuuh, dass kann ich doch gar nicht an EINER Person festmachen. Aber ganz klar meine Familie. Und natürlich meine besten Freunde!

3. Was war dein Kindheitstraum ?

EINEN Kindheitstraum hatte ich eigentlich nie. Ich hatte tausende :D

4. Du hast 1 Wunsch frei , was wäre dein Wunsch ?

Wieder ins Flugzeug steigen und nach Australien gleich noch eine Weltreise dranhängen.

5. Treibst du Sport ? 

Ja, ich turne seit 15 Jahren und will es auf keinen Fall missen!!

6. Was war deine erster CD ?

Keine Ahnung, aber bestimmt eine von den Lollipops oder Schlümpfen :D

7. Wohin möchtest du mal reisen ?

ÜBERALL hin. Und damit meine ich ÜBERALL!

8. Wie alt wärst du jetzt gerne ?

Ich glaube 19 ist schon ganz okay. Ich habe schon einiges erlebt, aber vieles erwartet mich noch. Warum also älter bzw jünger sein?

9. Würdest du an deiner Vergangenheit was ändern ?

Nein. Es ist, wie es ist und das ist auch gut so.

10. Was machst du am liebsten in deiner Freizeit ?

Was tolles mit Freunden.

11. Wie soll deine Zukunft aussehen ?  

Toll natürlich :D Aber so konkret weiß ich das noch nicht. Ich gehe dahin, wo der Wind mich treibt.

Soooo, dass waren erstmal die Fragen von der Sandy und wer den Liebster Award kennt, der weiß, dass ich jetzt an der Reihe bin 3 - 11 neue Blogger zu nominieren, die 11 Fragen, die ich ihnen stelle, beantworten müssen. Ich würde mich freuen, wenn ihr mich in euren Antworten verlinkt und mir natürlich eine E - Mail sendet oder einen Kommentar da lasst, wenn ihr euren Artikel veröffentlicht habt.

Und hier sind meine Fragen an euch:
Wie kamst du zum Bloggen und hast du jemals daran gedacht aufzuhören?
Wie finden es deine Freunde/Familie, dass du bloggst?
Wenn du an Sommer denkst, dann denkst du an ...?
Ist dir Kosmetik wichtig?
Weltmetropole oder Landleben?
Was war dein Traumberuf deiner Kindheit?
Würdest du gerne die Gedanken anderer lesen können?
Welche sind deine Lieblinsgblogger und warum?
Worüber kannst du lauthals lachen?
Was ist das peinlichste Outfit, welches du als Kind getragen hast/tragen musstest?
Welcher ist dein Lieblingsfeiertag?

Und nun zu den Bloggern, die ich nominiert hab:

Goodbye, my love

Jetzt sitze ich hier. Auf dem Sofa, wo ich monatelang immer NCIS LA oder die Nachrichten geschaut habe. Oder Eis gegessen. Wäsche zusammengelegt. Kartenspiele gespielt. Die Liste ist lang. Gestern bin ich doch noch meiner Gastfamilie freudestrahlend in die Arme gefallen, wie kann es da sein, dass ich morgen Abend schon wieder Tschüss sagen muss? Und dies mal für immer. Oder zumindest für eine viel zu lange Zeit. Irgendwann kommen sie vielleicht mal nach Deutschland, haben sie gesagt. Aber wann? Dann, wenn ich fertig studiert habe? Oder in 10 Jahren, wenn ich vielleicht schon selber Kinder habe? Dann sind meine Hostkids selber schon ziemlich erwachsen. 

Now I'm sitting here. On the couch, where I always watched NCIS LA or the news. Ate ice-cream. Folded clothes. Played cards. I kinda did everything here. Yesterday I was so happy being reunited with my beloved second family, so I don't quite get how it comes that I've to say Goodbye to them tomorrow night. This time it gonna be forever. Or at least for a really long time, I guess. One day they'll come to Germany. But when? When I'm studying? Or maybe in 10 years when I've got my old kids running around? My hostkids gonna grown up by then.

Wie soll ich nur den Abschied überstehen?

How am I gonna survive this farewell?

Der Koffer ist gepackt und geht sogar ohne Probleme zu. Viel zu einfach besser gesagt. Wie kann es sein, dass nach 10 Monaten so wenig übrig ist? Wo sind meine Erinnerungen und all die wunderschönen Momente hin? In meinem Kopf und auf meiner Festplatte. Doch reicht das? 

I already packed my suitcase and it is easy to close. By far too easy. How can 10 months fit so easily in my suitcase? Don't memories weight at all? Where are they? In my head and on my hard drive. But is this enough?

Im August habe ich noch ganz enthusiastisch mein Reisetagebuch geschrieben und jeden Schnipsel dort sauber aufgeklebt. Doch dann hat mich die Lust verlassen, alles zu dokumentieren. Das ist eine der sehr wenigen Sachen, die ich bereue. Auf meiner Reise durch Neuseeland habe ich ein paar Engländerinnen getroffen, die alle ihr Tagebuch haben und dort mehr oder weniger jeden Abend berichten, was gerade passiert und ihr Gedanken festgehalten haben. Die eine meinte sogar, dass sie es sich auf dem Rückflug von vorne bis hinten durchlesen wird. So kann sie die gesamte Reise nochmal durchleben.

I was writing a travel journal in August 2014 but I gave up on this soon after. That is kinda the only thing I really regret doing in the last year. In New Zealand I met a bunch of girls, who all had their own travel journal. They wrote in it most evenings and when they fly back home, they'll read it from the very first page till the end. This way they can go on their journey again and again.

Und ich? Manchmal habe ich das beängstigende Gefühl schon alles zu vergessen. Natürlich nicht die großen Highlights oder wo ich über all war. Aber ich meine so die kleinen Dinge. Vielleicht ein Mensch. Ein Gespräch. Oder einfach die Gefühle, welche durch bestimmte Dinge oder Menschen ausgelöst wurden. Noch ist es da, doch oftmals muss ich mich schon anstrengen, um mich an einen bestimmte Augenblick zu erinnern. Ich dachte immer, dass ich noch meinen Enkelkindern von diesem ganz besonderen Jahr erzählen werde. Doch was ist, wenn ich dann einfach nicht mehr weiß, was ich erlebt. Was ist, wenn irgendwann alles nur noch ein blasser Schatten ist?

And me? Sometimes I feel like I'm already losing my memories. This is a really scary feeling. I didn't forget the highlights or the places I went. But I'm talking those small things. A person. A conversation. Or a feeling. So far I can still remember everything but I can feel how some things are getting harder and harder to remember. I was convinced that I'll tell even my grandchildren about this very special year. But what if I can't remember anything? What if all what I got left are dusty shadows of memories?

Draußen ist es kalt, fast so als ich vor 10 Monaten hergekommen bin. Drinnen läuft die Heizung auf Hochtouren. Neben mir liegt mein Smartphone und spielt die Spotify Playlist "Afternoon Acoustic", aber die Musik wird von Lied zu Lied immer melancholischer. Oder bin das ich?

It is cold again in Canberra. Similar to when I first came here. I listen to a Spotify playlist called "Afternoon Acoustic" but with every song it goes sadder and sadder. Or is this me?

Beim Kofferpacken habe ich erst gar nichts gefühlt. Schließlich habe ich ja die letzten 4 Monaten aus dem Koffer gelebt, da ist das Ein- und Ausräumen zur Routine geworden. Erst als ich mich im Wohnzimmer umgeschaut und festgestellt habe, dass alles eingepackt ist, tat es weh. Mein ganzes Leben ist in diesem einen Koffer. 25 Kilogramm. Das kann doch gar nicht wahr sein. Dieses Mal ist es das letzte Mal, dass ich diesen Koffer packe. Danach ziehe ich wieder in mein Kinderzimmer mit meinem großen, weißen Kleiderschrank. Als wär nichts gewesen, ziehe ich wieder bei meinen Eltern ein. Diesmal gehe ich dann eben nicht jeden früh in die Schule, sondern fahre zu meinem Praktikum. Aber sonst? 

First I didn't feel sad at all packing my suitcase. Because living out of  a suitcase for 4 months I'm used to pack and unpack my stuff. Only when I looked around in the living room I realized that this is the last time I gonna pack this suitcase. Kinda everything I own is in this suitcase. 25 kilos. That can't be true. That can't be enough. Soon I'll move back to my parents with my big, white wardrobe. No packing anymore. I think, it will be weird moving back. Like nothing changed. Instead of going to school, I just drive to my internship.

Ich weiß, dass ich mich verändert habe, gewachsen bin und doch fühlt es sich gerade so an, als wär die Zeit stehen geblieben. 

I know, that I changed, that I grew up. But at the same time I feel like the time is stuck.

Ich möchte eigentlich gar nicht an morgen Abend denken. Kann ja schließlich nicht jetzt schon alle meine Taschentücher aufbrauchen. 

I don't really wanna think too much about tomorrow night. Because I should save the tissues for tomorrow.

Mein Zimmer wurde, während ich weg war, von meiner Gastfamilie als Rumpelkammer benutzt. Und als ich vorhin zwischen all den Kisten und Boxen meinen Pappkarton mit meinem Krimskrams herausgesucht habe, habe ich eine Karte gefunden. Handbemalt von einem kleinen Kind. Meinem kleinen Kind. Adressiert an SANDRA. I love you, your Rory.

While I was traveling they used my room as a storage room. So when I was looking for my cardbox I found a little card for me. It was coloured by child. My little child. Saying: I love you, your Rory.


I love you too, my cheeky monkey. But I've to say Goodbye, my love.