Und zu Weihnachten gibt's Kirschen!

Als meine Gastmama diesen Satz vor ein paar Monaten rausgehauen hat, musste ich erstmal lachen. Kirschen? Zu Weihnachten? Na ganz bestimmt. Kirschen gibt's im August, weiß doch jeder oder?
Was ich da kurzzeitig vergessen hatte, war natürlich, dass es zur Weihnachtszeit hier natürlich Hochsommer ist und Kirschen da natürlich dazu gehören. Oder zumindest sollte sich das Wetter wie Mitte August anfühlen ... Stattdessen hängen die Wolken tief, ab und zu regnet es und allgemein sind wir ca 10°C von den schönen 30°C entfernt. Da hat man einmal die Chance Weihnachtslieder im Bikini zu singen und dann sowas. 


Hmpf!

Aber vielleicht möchte der Wettergott auch einfach, dass ich mich zu dieser festlichen Zeit ein bisschen wie in Deutschland fühle und verregnete Feiertage sind ja nun mal eines der Markenzeichen. Also falls du das liest lieber Petrus: Danke, die Idee ist wirklich süß und ich weiß, du möchtest nur das Beste, aber das Heimweh plagt mich nicht und ich hätte jetzt gerne meine versprochenen 30°C. Aber er hat ja noch einen kompletten Tag Zeit die Sonne auszupacken und die Temperaturen aufzudrehen. 


Wenn man mal ganz von dem Sommer/Winterunterschied absieht, sind da aber noch ganz andere Unterschiede zwischen dem deutschen und australischen Weihnachten.

Zum einen steht unser (unechter) Weihnachtsbaum schon seit Anfang Dezember fertig geschmückt bei uns im Wohnzimmer. Mit ganz viel Blingbling, übergroßer Deko und Schnickschnack. Als ich meiner Gastmama erzählt habe, dass wir unseren (echten!) Weihnachtsbaum so zwischen 4.Advent und Weihnachten auspacken und schmücken, ist sie fast aus ihren Latschen gekippt. What? But why? Darauf habe ich zwar keine Antwort, aber warum die Aussies ihren Baum schon so zeitig hinstellen hat einen ganz bestimmten Grund: Täglich landen neue Geschenke darunter. Mittlerweile ist der Weg zu unserer Fernsehsitzecke schon fast versperrt, so groß ist der Berg in den letzten 3 Wochen angewachsen. Die Kids sind schon ganz aus dem Häuschen und fühlen immer schon mal, was sich denn in den für sie beschrifteten Geschenken verstecken könnte. 

Morgen ist es dann endlich soweit. Ja, Australien ist eines der Länder, welches Heiligabend mehr oder weniger ignoriert und dann am ersten Weihnachtsfeiertag feiert. Ich muss also einen Tag länger als meine deutschen Freunde und Verwandten warten ;)


Auch die Speisekarte sieht ganz anders aus als daheim. Statt vielem schweren Speisen, stehen bei uns Salate auf der Weihnachts-Hitliste ganz oben. Denn wer möchte bei 30°C (Petrus?!) schon stundenlang in der Küche stehen? Auch Plätzchen backen, hat hier nicht so einen großen Stellenwert wie in Deutschland. Man könnte es wohl laut meiner Gastmama machen, aber so wirklich macht das eigentlich keiner. Ich habe mich aber trotzdem vor ein paar Wochen mit einer anderen deutschen Au Pair in die Küche gestellt und gebacken, gebacken und gebacken. Vanille Kipferl, (missglückte) Zimtsterne und die ganz normalen zum Ausstechen. Aber ehrlich gesagt, schmecken sie nicht so wie man es gewohnt ist. Es fehlt einfach die Kälte und vor allem die ganze von Räuchermännchen verrauchte Stimmung in Mamas Küche. Stellt euch mal vor, ihr habt Mitte Juli die Idee Weihnachtsplätzchen zu backen. Das passt einfach nicht. 


Nebenbei bemerkt kennen sie hier auch den Nikolaus nicht. Den habe ich aber dieses Jahr in meiner Aussie-Familie eingeführt und am Abend zuvor mit den Mädchen die Schuhe geputzt. 

Trotz all der ganzen Unterschiede ist die Deko hier aber dieselbe wie auf der Nordhalbkugel. Von dick eingepacktem Weihnachtsmann mit seinen Rentieren über Schneeflocken bis zum Schlitten ist alles vertreten und verwirrt mich immer wieder auf's neue, wenn ich im Sommerkleid an den Schaufenstern vorbeischlendere.
Aber gut. 

Merry Christmas an alle, die heute schon feiern! :)

Jervis Bay - Let's go to the whitest beach in the world!

Eine Bucht größer als der Hafen Sydneys mit gefühlt tausenden Stränden. Manche liegen versteckt als kleine "Extra"Buchten und bieten kaum Platz für 10 Leute, andere sind groß, breit und zudem sogar relativ bekannt. Diese Bucht ist ein Ort, der einen verzaubert und der einen irgendwie an Peter Pans Nimmerland erinnert. Die Zeit scheint stehen zu bleiben, wenn man von Strand zu Strand tingelt oder man sich zur Erfrischung einen Milchshake im nächsten Cafe gönnt. 
Für die Frühaufsteher - oder die, die von ihren Freunden aus dem Bett geschmissen werden - lohnt es sich auch hierher zu kommen, denn früh halb 6 bietet der Himmel ein schönes Schauspiel, welches man nur schwer wieder vergisst



Vor zwei Wochen besuchte ich mit meinen Freundinnen diesen unbeschreiblich schönen und teilweise unberührten Fleck Erde und ich hab mich verliebt. Verliebt in die weißen Strände, die netten Strandbesuchern und vor allem in deren kleine, süße Hundewelpen.



Auch wenn man umgangssprachlich gerne sagt Ich bin über's Wochenende in Jervis Bay, sind es eigentlich die Städte Huskisson und Vincentia, die man besucht. Dort gibt es kleine Cafes, Supermärkte und auch den einen oder anderen Souvenir Shop. Dieser Ort ist ca 3 1/2 Stunden von Canberra entfernt und 2 1/2 Stunden von Sydney. Auch wenn dieser Ort viele Besucher anlockt, ist er doch keineswegs überlaufen oder verdreckt, wie man es vielleicht erwarten könnte.

Doch wo schlafen?

Durchsucht man das Internet findet man nicht allzu viele Unterkünfte und wenn doch dann sind sie meistens sehr teuer. Doch nach einiger Recherche haben wir dann endlich unseren kleinen Schatz gefunden. Ausgeschrieben als Backpackers Unterkunft, ohne Fotos kommt man dann schon ins Grübeln, was einen da erwartet, doch alle Sorgen waren unbegründet. Es handelt sich um eine kleine Ferienwohnung mit 2 Zimmern, Küche und Wohnzimmer samt Fernseher und ein paar DVDs, für entspannte Filmabende. Und auch die Eigentümerin ist sehr freundlich und wenn man, wie wir, mitten beim Kochen feststellt, dass man kein Öl hat dann leiht sie einem auch ohne Zögern ihres.

 Jervis Bay Backpackers

Eine andere, budgetfreundliche Unterkunft ist ein Campingplatz


Was ist hier so besonders?

Hier gibt es den weißesten Strand der Welt! Hyams Beach heißt dieses kleine Wunder und von der oben genannten Unterkunft ist er nach nur ca 15min Autofahrt zu erreichen. Einmal angekommen, möchte man am liebsten nicht mehr weg, dieser Ort hat etwas bezauberndes an sich.


  
  
  

Hand auf's Herz - Ich hab euch lieb

Sie sind da wenn es einem schlecht geht. Sie sind da wenn man gerade die gesamte Welt umarmen möchte. 
Freunde.
Wenn man sich aber einige Monate entfernt von ihnen am anderen Ende der Welt befindet, bemerkt man kleine Veränderungen. Die einen Freundschaften werden enger, andere leben sich gar auseinander und im neuen Land entwickeln sich zudem auch noch neue, tolle Freundschaften.

Alte Freunde. Neue Freunde. Kindergartenfreunde & die, die man hoffentlich bis ans Lebensende hat.
Sie alle versüßen einem das Leben und mal ganz ehrlich: Was wären wir nur ohne sie?

Und da heute zwei meiner Au Pair Mädels die Weiter- bzw Heimreise angetreten haben, bin ich ein bisschen ins Grübeln gekommen. Freunde? Wie kommt man eigentlich zu diesen Wundermenschen und warum halten manche Freundschaften schon über zehn Jahre mit vielen Höhen und Tiefen während andere schon nach dem ersten Streit zerbrechen? Denn dass Streiten zur Freundschaft dazugehört, sollte ja mittlerweile jeder wissen. Oder liege ich da falsch?



Wenn man so für mehrere Monate am anderen Ende der ist, stellt man schnell fest, dass der Kontakt zu manchen Freunden sehr rar ist und die eine oder andere Freundschaft gar unter der riesigen Entfernung zusammenbricht. Doch auch das Gegenteil tritt ein und einige eher "flüchtige" Freundschaften - ihr wisst schon, die Partyfreunde zum Beispiel - werden auf einmal fiel enger und man entdeckt Seiten an der anderen Person, die man früher einfach nicht wahrgenommen hat.

Und glücklicher Weise bilden sich im neuen Land auch schnelle neue Cliquen, Freundschaftsbänder und unersetzbare Freundinnen, die manchmal dem Begriff Seelenverwandte gefährlich nah kommen. Aus den anfänglichen, oberflächlich höflichen Konversationen How long are you staying? How many kids do you have? Ah wow and how old are they? werden im Laufe weniger Wochen die besten Abenteuerkumpanen, Sorgenfresser, Au-Pair-Leben-Ratgeber und Quatschköpfe. Und das alles am besten in einer Person. Und genau solche Freunde findet man eben abroad, wenn nur das hier und jetzt zählt, man sich neu finden kann und alle mehr oder weniger dieselben Erlebnisse teilen. 

Ohne meine Mädels hier, wäre die Sache nur halb so spaßig und jedem Trip würde das Salz in der Suppe fehlen. Wer kann schon behaupten sich mit seinen Freundinnen anfangs eher mit Händen und Füßen unterhalten zu haben als mit Worten, weil zu Beginn eben die englischen Wörter gefehlt haben. I mean ... I can't say it in English .. but ... don't you know what I mean?? 
Ahhh THIS? Yeah, I know what you wanna say ... buy uargh I can't say either.
Mittlerweile ist diese Phase Geschichte und die Sprache stellt keine Barriere mehr dar. Doch gerade diese Schwierigkeit hat die anfänglichen, lockeren Freundschaftsbänder verknüpft und mit jedem neuen Trip, mit jedem neuen Erlebnis kamen mehr Knoten hinzu. Bis man sich ein Dasein ohne sie gar nicht mehr vorstellen kann. Und wie das Leben so spielt, kommt genau dann die Trennung. Alles andere wäre ja auch langweilig. Bei den einen ruft das Studium, bei den anderen die Abenteuerlust. Und so werden auch mit diesen Mädels die Skype-Namen ausgetauscht und es fühlt sich an wie damals vor ungefähr vier Monaten, als man den deutschen Freunden das letzte Mal um den Hals gefallen ist, das Handy voller Email-Adressen, Anschriften und alten Fotos.


Zum Teil vermisst man natürlich die Freunde von daheim und fiebert dem Wiedersehen entgegen. Was genau hat sich dem Jahr verändert? Welche "Freundschaften" bestanden nur auf Grund labiler Pfeiler, die schon nach zwei Wochen Auslandserfahrung den Bach runter gegangen sind? Aus den Augen, aus den Sinn.
Aber auch, was ist gleich geblieben? Welche Freundschaften kommen gestärkt und gefestigt aus den langen Monaten der Trennung hervor? Ist die Rolle, die man dann einnimmt dieselbe wie vor dem Flug?

Wie schon angedeutet, manche Freundschaften, auf die ich gewettet hätte, dass sie sowas locker überstehen, zerbrechen plötzlich wie altes Glas. Doch ich denke, man sollte diesen Freunden nicht lange hinterher trauern. Früher oder später wäre es eh dazu gekommen und so kann man sich mehr auf die Wahren konzentrieren. Viel wichtiger sind doch die Beziehungen, die enger und vertrauensvoller werden. Vielleicht meldet sich der "flüchtige Bekannte" plötzlich viel öfter als die vermeintlichen besten Freunde und schwuppdiwupp lernt man einen lang gekannten, völlig neuen Menschen kennen. Oder Freunde aus der Vergangenheit, von denen man vielleicht durch ein Streit oder Umzug auseinander getrieben wurde, stellen den Kontakt wieder her. Ich nenne diese Freunde gerne die Überraschungsfreunde. Man wusste gar nicht, wie wichtig man derjenigen Person war, beziehungsweise wie sehr man sie vermisst hat. Bähm, plötzlich klopfen sie wieder an die Tür und eine völlig neue Reise beginnt.



Trotz allem: Die besten Freunde bleiben nun mal die Lieblingsmenschen und mit ihnen zu skypen, vertreibt jegliches schlechtes Gefühl und pusht die guten nochmal so richtig nach oben. Diese Besonderen werden wohl noch in 70Jahren bestehen und ihr wisst ja, was dann nur noch zählt: Hauptsache wir hocken später alle im selben Altenheim.

Jetzt habe ich zwei Stunden rumgesessen, philosophiert, Zeilen gelöscht und andere hinzufügt, aber eigentlich kann ich nur eines sagen:

Egal ob Sandkastenfreunde, Herzensmenschen, Neueroberungen oder Überraschungsfreunde; ich habe euch ganz dolle lieb.